Welcher Schüler mag schon den Französischunterricht?

Aversion - damals wie heute

"Schon zu meiner Schulzeit mochte man als Schüler Französisch nicht. Das lag nicht an der Lehrerin, die sich viel Mühe gab. Aber wir konnten uns einfach nicht mit dieser schwierigen Sprache anfreunden." Solche Aussagen Erwachsener sind häufig. Und bei den Jugendlichen von heute sieht es nicht anders aus.

Der französische Sprachraum liegt nah – doch die französische Sprache liegt ausserhalb des Horizonts der deutschschweizer Schülerinnen und Schüler. Während man Englisch intuitiv aufnehmen kann – aufgrund der grösseren linguistischen Nähe zur deutschen Sprache und weil Englisch in Musik und Filmen sehr präsent ist –, wird der Französischunterricht meist als ein Zwang wahrgenommen. Und wenn man etwas lernen muss, lernt es sich viel schlechter, als wenn man es lernen will.

Mehrsprachige Schweiz – ein Trugbild

Die Schweiz gilt weltweit als Modell der Mehrsprachigkeit. Im Ausland denkt man daher häufig, dass die Bevölkerung der Schweiz mehrsprachig sei. Das ist ein Trugbild – denn die Schweiz besteht aus mehreren einsprachigen Sprachräumen. Nicht einmal in den Städten auf der Sprachgrenze (Fribourg, Biel) ist eine Mehrheit der Bevölkerung mehrsprachig.

Mehrsprachig sind zwar viele Schweizerinnen und Schweizer – nämlich diejenigen mit Migrationshintergrund. Von ihnen fordern wir Integration.

Aber die Schweizer sind unter sich (zwischen den verschiedenen Sprachräumen) zu wenig gegenseitig integriert.

Die heutige Lage

Heute stellen Aufenthalte in der Welschschweiz die Ausnahme dar, nicht die Regel. Programme für den Sprachaustausch existieren zwar, aber sie werden zu wenig genutzt.

In anderen Kantonen wurden interessante Modelle entwickelt, zum Beispiel der Halbklassen-Rotationsunterricht (BE, VS), die sich auch für den Aargau eignen würden.

Zu beachten ist, dass andere Kantone auch mehr zur Verfügung stehende Bundesgelder abholen.


Heute ist es so, dass die Organisation von Sprachaufenthalten nur dank unentschädigtem Mehraufwand  von Schulleitenden und Sprachlehrpersonen realisiert werden kann. 
 

Gute Didaktik

Jugendliche klagen darüber, dass sie zu häufig online sind und am Smartphone kleben. 

Der Austausch vor Ort mit fremdsprachigen Jugendlichen ist für sie eine willkommene Abwechslung.

Erlebnisse bleiben im Gedächtnis haften und ermöglichen effizientes und nachhaltiges Lernen.

Es geht auch um unsere Identität

Die Existenz verschiedener Sprachregionen bereichert die Schweiz und macht unser Land international einzigartig. Im Aargau wohnen wir weniger als eine Stunde Fahrzeit vom französischen Sprachraum entfernt. Und doch bleibt Französisch für die meisten Deutschschweizer zeitlebens eine schlecht beherrschte Fremdsprache. Auch das traditionelle «Welschlandjahr» der Schulabgänger wird immer seltener.

 

Dies gilt analog für die Romands bezüglich der deutschen Sprache. So kommunizieren Vertreter der Schweizer Sprachregionen immer häufiger auf Englisch miteinander. Dies untergräbt die Identität und den Zusammenhalt der Schweiz.

Zahlen aus dem Kanton Aargau (2017)

An einem Klassenaustauschprogramm nahmen 145 SchülerInnen teil.

(Zum Vergleich: in den Kantonen Bern und Wallis sind es mit 1247 respektive 1219 rund 9 Mal so viele; im einsprachigen Kanton Waadt mit 880 rund 6 Mal so viele Personen).

Einen Einzelaustausch von rund 2 Wochen absolvierten 144 Personen (und nahmen im Gegenzug während 2 Wochen eine fremdsprachige Person auf)

Vergleicht man dies mit der Gesamtschüleranzahl im Aargau von 96'739 im Jahr 2017 (Volksschule 74'686; Mittelschule 5'549; Berufsfachschule 16'504), ist ersichtlich, dass es sich um eine äusserst geringe Anzahl Schülerinnen und Schüler handelt, welche pro Jahr in den Genuss eines Austauschs mit der Romandie gelangen.

Quellen: 

  • Movetia

  • Regierungsrat 2018, Antwort auf Interpellation Christine Keller Sallenbach

  • Aargauer Schulstatistik 2017/18

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